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Eindringlich und hochaktuell: EFG-Literaturkurs der Q1 überzeugt mit Frischs „Andorra“

05.07.2026
Eindringlich und hochaktuell: EFG-Literaturkurs der Q1 überzeugt mit Frischs „Andorra“
Eindringlich und hochaktuell: EFG-Literaturkurs der Q1 überzeugt mit Frischs „Andorra“

Eine zeitlose Parabel über Vorurteile, Sündenböcke und die tödliche Dynamik der Masse stand am 1. Juli  2026 auf dem Spielplan der Erich-Fried-Gesamtschule.

Der Literaturkurs der Jahrgangsstufe Q1 bewies mit seiner Inszenierung von Max Frischs Klassiker Andorra beachtlichen Mut – und feierte einen triumphalen Erfolg.

Das größte Lob gebührt den jungen Darstellerinnen und Darstellern, die durchweg mit einer reifen Schauspielleistung glänzten. Die Hauptrolle des Andri wurde mit einer packenden Mischung aus anfänglicher Hoffnung und wachsender Verzweiflung gespielt. Seine schmerzhafte Verwandlung vom lebensfrohen Jugendlichen zum verbitterten Außenseiter ging dem Publikum sichtlich unter die Haut. An seiner Seite berührte die Darstellerin der Barblin zutiefst. Ihre emotionale Tiefe und das präzise Timing in den tragischen Szenen verliehen der Figur eine erschütternde Tragik.

Eindringlich und hochaktuell: EFG-Literaturkurs der Q1 überzeugt mit Frischs „Andorra“
Eindringlich und hochaktuell: EFG-Literaturkurs der Q1 überzeugt mit Frischs „Andorra“
Eindringlich und hochaktuell: EFG-Literaturkurs der Q1 überzeugt mit Frischs „Andorra“

Zudem wurde eine völlig neue Figur eingeführt: Barblins hinzugedichtete Schwester Martha.

Eindringlich und hochaktuell: EFG-Literaturkurs der Q1 überzeugt mit Frischs „Andorra“

Der Darstellerin gelang es bravourös, als emotionales Bindeglied das familiäre Drama auf ganz eigene Weise widerzu spieglen. Die zentralen Konflikte wurden durch das starke Zusammenspiel der Erwachsenenrollen getragen. Der Lehrer Can überzeugte durch die Zerrissenheit eines Vaters, der an seiner eigenen Lebenslüge zerbricht. Die Mutter bot ihm hierbei einen Gegenpol.  Als moralische Instanz scheiterte der Pater Benedict, der trotz guter Absichten Andris wahre Identität verkennt und mitschuldig wird. Die Fratze der andorranischen Gesellschaft wurde durch die Antagonisten real. 

Zudem wurde eine völlig neue Figur eingeführt: Barblins hinzugedichtete Schwester Martha.

Der Wirt bestach durch eine herrlich schmierige, opportunistische Darstellung, die das Wegsehen der Gesellschaft perfekt verkörperte. Ebenso pointiert agierte der Tischler, dessen verächtliche Arroganz und antisemitische Vorurteile in der Werkstattszene das Publikum spürbar fesselten. Auch der Geselle überzeugte in seiner Wandlung vom anfangs unsicheren Kollegen zum arroganten Mitläufer.In diese Phalanx der Täter reihte sich auch der Soldat Peider nahtlos ein. Mit einer erschreckend authentischen Präsenz, aggressiver Körpersprache und brutaler Stimme machte er die Bedrohung physisch greifbar. Der Darsteller des Doktors verkörperte mit einer überheblichen und selbstgerechten Attitüde den akademischen Dünkel und den tief verwurzelten Nationalismus seiner Figur. Dem Jemand, der Prototyp des passiven, meinungslosen Mitläufers darstellt, gelang es überzeugend, das erschreckende Gesicht der Gleichgültigkeit zu zeigen.

Den tödlichen Höhepunkt des Stücks bildete die "Judenschau"mit dem Judenschauer. Die Darstellung dieser Figur strahlte eine eiskalte, bürokratische Präzision aus. Hier ein Beamter des Todes gespielt, dessen  emotionslose Art, mit der Menschen begutachtet werden, Gänsehaut erzeugte.

Visuell bestach die Aufführung durch harte Schwarz-Weiß-Kontraste. Nicht nur das Bühnenbild, auch das Volk von Andorra war durchweg weiß gekleidet. Neben den bekannten Hauptfiguren nahm das Volk von Andorra eine absolute Sonderrolle ein. Die Schülerinnen und Schüler agierten hier nicht als bloße Statisten oder Hintergrundkulisse. Stattdessen trat das Volk in mehreren Szenen als eine verschworene  Einheit auf. Hierdurch wurde der Charakter der Kollektivschuld radikal unterstrichen.

Ein packender Theaterabend, der zeigt, wie lebendig Schultheater sein kann. Der Literaturkurs der Q1 wurde vom Publikum in der Erich-Fried-Gesamtschule mit langanhaltendem, stehendem Applaus belohnt.

Fotos: V. Seiffert & Text: S. Meier

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